Einleitung

Das Drehschieberprinzip dient der Gemischzuführung und der Gemischvorkompression zu bestimmten Zeitpunkten innerhalb einer Kurbelwellenumdrehung bei einem Vespa Zweitaktmotor und wurde ab Werk bei den Motoren der Vespa PX, PK, Rally usw. angewendet. Neben dem Drehschieberprinzip gibt es auch noch das Membranprinzip und die Schlitzsteuerung. Im Gegensatz zum Membranmotor arbeitet ein Drehschieber verschleißfrei, Bei einem Membranmotor müssen hin und wieder die Membranplättchen ausgetauscht werden. Bei dem Drehschieber ist eine sehr hohe Fertigungsgenauigkeit erforderlich innerhalb der Produktion. Zudem kann der Drehschieber durch verschlissene Kurbelwellenlager, verdrehte Kurbelwellenwangen oder Schmutzpartikel beschädigt werden. Der Drehschiebermotor ist merklich leiser als ein Membranmotor.

Geschichte

Alfred Angas ScottBereits 1911 entwickelte Alfred Angas Scott (* 5. Oktober 1874 in Bradford; † 11. August 1923 in Bradford) einen wassergekühlten Motor im Modell 3 3/4 mit Drehschiebersteuerung. Der Plattendrehschieber, wie wir ihn heute kennen, wurde in den 1950er Jahren von Daniel Zimmermann entwickelt und in der DDR patentiert. Hierbei wird der Einlass in das Kurbelgehäuse durch eine Öffnung in einer auf der Kurbelwelle angebrachten rotierenden Scheibe geöffnet und verschlossen. Der Vorteil gegenüber kolbenunterkantengesteuerten Motoren ist die Möglichkeit, den Öffnungszeitpunkt unabhängig vom Schließzeitpunkt (asymmetrisch in Bezug auf den Kurbelwellenwinkel) zu steuern.

Aufbau des Vespa Drehschiebers

Auf diesem Foto erkennt man sehr gut die kreisförmig angeordnete Drehschieberfläche im Kurbelgehäuse und den ovalförmigen Drehschieber-Einlass innerhalb der Drehschieberfläche.

Der Drehschieber in einem Vespa Zweitaktmotor besteht aus mehreren Bereichen.

Drehschieber-Fläche

Im Kurbelwellengehäuse eines Vespa Motorgehäuses befindet sich eine kreisförmige Platte, die Drehschieber-Fläche. Über die Drehschieber-Fläche und die Kurbelwellenwange, welche sich an die Drehschieberfläche anschmiegt, wird das Kurbelwellengehäuse zu bestimmten Zeiten (Kolben bewegt sich von OT nach UT) im Motortrieb abgedichtet und zu anderen Zeiten (Kolben bewegt sich von UT nach OT) wiederum geöffnet. Für einen optimalen Ablauf müssen bestimmte Toleranzen eingehalten werden.

Quelle: Freakmoped auf Youtube»

Drehschieber-Einlass

In der rechteckigen Drehschieber-Fläche befindet sich ein von der Form her meist ovaler Einlass, welcher sich auf Grund des Einlasswinkels bzw. der Einlasssteuerzeit in die Länge ziehen kann. Die Einlasssteuerung ist unter Anderem abhängig von der Kolbensteuerung. Die Überströmer im Zylinder wirken gegen die Einlassöffnungszeit bei der Vespa. So lange die Überströmer den Weg zwischen Kurbelgehäuse und Hubraum öffnen, kann im Kurbelgehäuse kein Unterdruck aufgebaut werden. Erst wenn der Kolben in der Aufwärtsbewegeung in Richtung OT im Kurbelwellengehäuse einen Unterdruck aufbaut, wird durch den Einlass das Benzin-Luftgemisch angesaugt. Der Einlass in der Kurbelwelle wird oftmals zur Leistungssteigerung optimiert.

Einlass in der Drehschieberkurbelwelle

Kurbelwelle mit Drehschiebereinalss. Der Einlass ist erkennbar in der Kurbelwange auf der Kupplungsseite.

Der Einlass in der Drehschieber Kurbelwelle bei einer Vespa Largeframe befindet sich auf der Kurbelwange kupplungsseitig. Die Länge des Kurbelwangen-Einlasses (gemessen in Kurbelwellengrad) kann variieren. Im Zusammenwirken mit dem Drehschieberflächen-Einlass im Kurbelgehäuse bildet sich der Gesamt-Einlasswinkel. Wichtig ist auch die Kurbelwangenfläche. Hier ist bei der Produktion ein besonders Maß an Fertigungsgenauigkeit notwendig.

Defekte Drehschieber-Fläche

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