Die Vespa P200E VSX1T *66647* kurz vor der Eurovespa im Sommer 2001 (Foto: Wespenblech Archiv)

Logo der Eurovespa 2001 (Foto: Wespenblech Archiv)

Am 21.06.2001 ging die Reise schon früh morgens los zur Eurovespa› 2001. Es war noch dunkel, als ich an einem Studentenwohnheim in Bochum meine Vespa P200E› belud. Mit den ersten Sonnenstrahlen um ca. 4:30 Uhr fuhr ich dann los. Ich machte kurz Halt an einer Tankstelle an der Wasserstrasse, um den Tank und den Reservekanister mit Benzin zu füllen. Danach fuhr ich zu meinem Kollegen Kay. Es dauerte nicht lange und wir beide konnten uns auf den Weg machen. Kay hatte seine kawasakigrüne P200E mit Malossimotor startklar. Bevor die große Reise los ging, holten wir noch Canni und John aus der Bochumer Innenstadt ab. Wir kannten die beiden von einem Treffen an der Hohensyburg im Jahre 2000. Die beiden fuhren erst seid kurzem wieder Vespa und wollten nicht alleine nach Frankreich fahren.

Die ersten Kilometer auf der Autobahn zur Eurovespa 2001

Schneckentempo

Erstes Fernziel war Aachen über Essen und Mönchengladbach. Auf der Autobahn fuhren wir auf dem rechten Fahrbahnstreifen. Es fiel mir auf, das Canni und John mit gerade mal 60 km/h über die Autobahn schlichen. Ich dachte, dass die beiden es locker angehen wollten, um erst einmal ihre Motoren auf Temperatur zu bringen. Doch als wir nach 80 km die erste Tankstelle erreichten „schlenderten“ die beiden immer noch mit geringer Fahrt hinter uns her.

Ich sprach Canni an, ob man sich auf eine etwas höhere Geschwindigkeit einigen könnte, da die LKW-Fahrer keine Lust hätten, uns zu schieben. Es ging wieder auf die Bahn und ich merkte, dass Canni und John sich nun bemühten, unser Tempo zu halten. Kay und ich spielten mit einem psychologischen Trick. Kay fuhr vorne weg, Canni und John fuhren in der Mitte und ich reihte mich nun als Lumpensammler hinten ein. Das gab den beiden ein Gefühl von Sicherheit.

LKW Jagdkommando

Ich spürte deutlich, dass es mit den beiden nun besser funktionierte. Wir überholten die ersten LKW. Nach einiger Zeit waren wir ein eingespieltes „LKW-Jagdkommando“. Ich scherte als erstes aus und deckte den Überholvorgang der anderen ab. Das gab Canni und John ein Gefühl der Sicherheit, so dass sie nun ohne weiteres die LKW überholen konnten. An der belgischen Grenze machten wir eine kurze Pause, da sich die Auspuffschraube an Kays Roller gelöst hatte.

Die Stadt Lüttich in Belgien (Foto: Marc Verpoorten)

Wir fuhren weiter nach Lüttich, dem kulturellen Zentrum Belgiens. Als Metropole Walloniens mit etwa 200.000 Einwohnern liegt Lüttich am Zusammenfluss von Ourthe und Maas. Weiter ging es über die Autobahn E42 in Richtung Westen nach Namur.

Ein kleiner Unfall

Kurz vor der Autobahnabfahrt fuhren Kay und ich auf den Seitenstreifen, um auf Canni und John zu warten, die mittlerweile wieder in ihr Trödeltempo verfallen sind. Als letztes fuhr John auf den Seitenstreifen, doch er bremste zu spät und fuhr Canni von hinten in die pinke PX. Der Roller fiel mitsamt Canni um. Außer einem Kratzer am Kotflügel von Cannis PX ist zum Glück nichts schlimmeres passiert. Canni und John waren jedoch fix und fertig und brüllten sich gegenseitig an. Ich wandte mich grinsend und kopfschüttelnd ab und wollte warten, bis die beiden wieder ansprechbar waren. In diesem Moment holte Kay einen Aufkleber mit einer gelben Ente und der Aufschrift Warmduscher aus seiner Hanutaverpackung und klebte diesen auf die verkratzte Stelle an Cannis Kotflügel. Wir mussten alle lachen und so konnte die Fahrt weiter gehen.

Durch Namur in Richtung Frankreich

Wir erreichten über die Landstrasse Namur. Die Stadt liegt rund 65 km südöstlich der belgischen Hauptstadt Brüssel an der Einmündung der Sambre in die Maas. Nachdem ich an einer Tankstelle die Vergasernadel an meinem Roller eine Kerbe höher setzte (Der Motor lief zu fett im Teillastbereich), fuhren wir nun in südliche Richtung nach Dinant hinein. Die Maas durchbrach in einem felsigen Tal die Ardennen. Überregional bekannt ist die Stadt durch ihre Kathedrale mit einem kunstvollen Westwerk, sowie der darüber liegenden Festung.

Wir passieren Givet

Weiter ging es entlang der N51 in Richtung belgisch – französische Grenze nach Givet. Kay hatte mittlerweile Rückenschmerzen, da er den Rucksack mit den Bierdosen aufgeschnallt hatte. 200 Meter hinter der Grenze entdeckten wir einen Aldi Supermarkt und waren ganz verdattert, dass es diese Ladenkette auch in Frankreich gab. Wieder was dazu gelernt. Hier wurde Kay dann richtig sauer, da in den Regalen Karlsquell – Dosenbier stand . Genau die Plörre, welche er in  seinem Rucksack hatte (Nicht nur in Deutschland ist man stolz auf  Kaiser Karl. Wobei berücktsichtigt werden sollte, dass Karl nicht gerade freundlich dem westfälischen Helden Widukind umgegangen ist. Pardon, ich schweife ab ? ). Nun wussten wir, dass es in Frankreich nicht nur Rotwein und Baguetten gibt :-).

Wir fuhren über Land nun weiter über Charleville-Mézières und Châlons-en-Champagne in Richtung Troyes. Hin und wieder zuckte bei mir die rechte Gashand und ich legte einen Zwischensprint hin. Dabei erreichte ich Geschwindigkeiten jenseits der 120 km/h Marke. Die linke Hand war zwar immer am Kupplungshebel, jedoch wuchs mein Vertrauen immer mehr in diesen Polossi Motor.  Links und rechts flogen an mir die Felder und Wälder vorbei. In Châlons-en-Champagne machten wir einen Zwischenstopp und kehrten bei McDonalds ein. Mit gefülltem Magen ging es dann weiter.

Irgendwo zwischen Châlons-en-Champagne und Troyes hatten wir dann am frühen Abend ein Spritproblem. In den kleinen Gemeinden waren die Tankstellen bereits geschlossen. Mit den letzten Tropfen Sprit und meinen Französischkenntnissen konnte ich dann den Weg zu einer Tankstelle erfragen. Ich fuhr zu unserer Gruppe zurück und gemeinsam kamen wir nach kurzer Zeit an der Tankstelle an. Die Roller wurden aufgetankt und wir gönnten uns riesige Tassen mit Kaffee. Die Fernfahrer bestaunten das mit Biertüchern bestickte Rollerfahrervolk. John entdeckte im Verkaufsbereich der Tankstelle noch einen 10 Liter Reservekanister. Er kaufte sich einen dieser Kanister und tankte diesen voll. Derweil studierten Kai und ich die Landkarte. Canni gesellte sich dazu. Unser Plan war, die Landstraße zu verlassen und mittelfristig auf die Autobahn zwischen Paris und Nevers zu gelangen. Dann setzten wir uns wieder auf unsere Roller und fuhren weiter in Richtung Troyes.  Bei der Abfahrt setzte mein Rennauspuff SIP Evo auf. Ärgerlich. Es blieb eine kleine Schramme an der Auspuffwand zurück.

Es dämmerte langsam, als wir bei Troyes weiter fuhren. Über die Landstraße fuhren wir nun in Richtung Auxerre In einer alten Stadt fuhren wir mitten durch ein Stadtfest. Früh in der Nacht in Auxerre angekommen ging der Sprit wieder aus. Wir suchten eine Tankstelle auf, jedoch konnte man hier nur mit einer speziellen Karte tanken. Glücklicherweise  tauchte hier eine Gruppe Jugendlicher auf, denen wir Geld gaben und so konnten wir über deren Karte unsere Roller auftanken. Nachdem wir nun das zweite Mal fast einen trockenen Tank hatten und es später Abend war, die Motoren surrten richtig gut, entschlossen wir uns, wieder auf die Autobahn zu fahren. Dort gab es in regelmäßigen Abständen Tankstellen, die geöffnet hatten.

Wir kamen gut voran auf der Autobahn, jedoch waren Canni und John völlig geschafft von dieser Tour und wollten nicht mehr weiter fahren. An einer Mautstation warteten Kay und ich auf die beiden, da diese schon wieder zurück gefallen waren. Da klingelte bei Kay das Handy. Canni meldete sich und erklärte, dass die beiden eine Pause machen wollten und sich einen Übernachtungsplatz suchten. Das war wohl das Beste für die beiden. Kay und ich entschlossen uns weiter zu fahren und das wurde von Canni abgesegnet. Wir würden uns dann in Nevers wiedersehen.

Kay und ich fuhren noch ein ganzes  Stück auf der Autobahn in Richtung Süden. An einer Tankstelle irgendwo gab es noch mal frischen Sprit am frühen Morgen. Wir tranken eine heißen Kaffee und rauchten Zigaretten. Es war merklich frisch geworden. Das letzte große Stück fuhren wir über Landstraße in der tiefschwarzen Nacht. Ich preschte wieder vor und Kay fuhr in meinem Windschatten. So konnte er seinen Motor auf 110 km/h peitschen. Die kühle Nachtluft tat den beiden Motoren richtig gut. Hin und wieder beim Rausbeschleunigen aus einem Kreisverkehr fuhr Kay neben mir auf und sang irgendetwas. Ich lauschte, lachte, als ich das Lied erkannte und dann sang ich mit: „ Wildgänse rauschen durch die Nacht … Mit schrillem Schrei nach Norden – Unstäte Fahrt! Habt acht, habt acht! Die Welt ist voller Morden! Wir verkrümelten uns vor der nächtlichen Kälte hinter dem Beinschild. Die Motoren surrten und die Zeit verging.

Morgens gegen 7 Uhr, die Sonnenstrahlen waren schon stark genug, um den Nebel auf den Feldern links und rechts zu zerfressen, erreichten Kay und ich Nevers. Wir waren völlig übermüdet und konnten die Augen kaum offen halten. An der Ortseinfahrt stand ein älterer Herr mit weißem Bart und silberner Sprint. Er blinzelte uns aus einem Auge zu und nickte, als wir unsere Eurovespa Karten zeigten. Gemeinsam fuhren wir zu einem Campingplatz. Wir stellten unsere Roller ab und hauten uns erst einmal erschöpft auf die Wiese mit einer Zigarette. Neben uns standen die Wespen und das Metall knisterte und knackte durch das Abkühlen der Motoren. Kay und ich bauten dann mit letzter Kraft unser Zelt auf. Kay zog zwei Dosen Karlsquell aus dem Rucksack und ich schnitt 2 Dicke Scheiben Salami ab. Dann verkrümelten wir uns ins Zelt und schliefen nach der kleinen Mahlzeit sofort ein.

Angekommen in Nevers

Am späten Nachmittag gegen 17 Uhr wurden wir wieder wach. Kay telefonierte mit Angelo und Klaus, die mit ihren Wespen unterwegs zu uns waren. Angelo fuhr seine rote Vespa P200E› und Klaus eine schwarze Vespa PX200E Lusso›. Derweil schaute ich mir meine P200E an. Die Reifen waren sauber gefahren. Auf dem Beinschild und am Scheinwerfer konnte ich unzählige Fliegen erkennen. Die linke Halterung des Scheinwerfers war gebrochen. Ich holte das Werkzeug aus dem Handschuhfach und fixierte die Halterung mit Klemmen. Ansonsten hatte meine Vespa die Fahrt bis auf die kleine Delle am Auspuff gut überstanden.

Einige Zeit später gegen 19 Uhr erreichten Angelo und Klaus den Campingplatz. Die Zelte wurden aufgebaut und der Grill wurde einsatzbereit gemacht. Ein Rollertreffen ohne Fleisch auf Feuer ist doch ein halbes Ding. Dazu wurde das Bier in Griffreichweite deponiert. Angelo hatte ebenfalls noch Bier besorgt. Neben uns bauten Leute vom VC Hamburg ihre Zelte auf. Wir begrüssten und mit einem trockendorschigen „Moin“.


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