Mitte 2000 hatte ich einen schweren Verkehrsunfall mit meiner Wespe. Ich hatte eine Freundin von mir in Herten besucht und wollte mit dem Roller über Land heim fahren. In einer lang gezogenen Rechtskurve, ich fuhr ungefähr 80-90 Kilometer pro Stunde, kam aus dem rechts direkt anliegenden Waldstück ein Reh auf die Straße gesprungen.

Das Reh hatte nur drei Beine. Ich hatte keine Chance zum Ausweichen und fuhr ungebremst in das Reh hinein. Das arme Tier war (zum Glück muss man sagen) auf der Stelle tot. Der Kopf wirbelte um das Beinschild herum in einer Art und Weise, dass ich davon ausgehen konnte, dass dem Tier das Genick gebrochen wurde.

Ich weiß noch, dass ich vom Roller flog und mit dem Hintern und Rücken ungefähr 50 Meter über den Asphalt rutschte. Das hatte die Polizei später ermittelt. Ich persönlich hatte Glück im Unglück. Einige Prellungen und Schürfwunden. Ansonsten keine schweren Verletzungen. Ganz anders die Vespa: Der Rahmen war nur noch ein Haufen verbogener Schrott.

2001

Nach dem schweren Verkehrsunfall musste ich den Roller von Grund auf neu aufbauen. Leider war der Rahmen schwer beschädigt und ich musste den Rahmen austauschen. Und so besorgte ich mir einen neuwertigen PX alt Rahmen und begann mit dem Neuaufbau. Auch dieses Mal würde ich den Rahmen kürzen. Es war ein hartes Stück Handarbeit. Ich verschweißte die Öffnungen für die Blinkergläser. Jede Menge Spachtelarbeiten wurden durchgeführt. Schlussendlich war der Roller im Frühling 2001 wieder fahrbereit.

Vespa P200E

Vespa P200E VSX1T *66647* im Frühling 2001 in Bochum kurz vor der Eurovespa in Frankreich (Foto: Oliver Mertens)

Eurovespa 2001

Vergaser, Dellorto, Nadel, PHBH

Vergasernadel Dellorto PHBH 30

Auf der Eurovespa 2001› hatte der Roller seine erste größere Herausforderung. Ich hatte den Motor noch ein wenig optimiert gegenüber der Vorgängerversion. Der Kolben wurde nochmals gefräst und leichter gemacht1Siehe dazu auch folgenden Beitrag: Malossi 210 alt fräsen – Fussfenster, Kolben & Auslass›. Die Vergasereinstellung des Dellorto PHBH 30› Vergasers wurde noch auf der Hinfahrt nach Frankreich auf einer Raststätte an der Autobahn angepasst.2Siehe dazu auch den Beitrag Vergaser Dellorto PHB & PHBH einstellen bei einer Vespa Die X2 Nadel wurde einen Clip tiefer in das Mischrohr gehängt. Dadurch wurde im Teillastbereich das Gemisch etwas magerer und fettelte nicht mehr beim Gas geben. Schlussendlich fuhr der Roller dann hinter der belgisch-fanzösischen Grenze auf der Autobahn mit Gepäck vollgepackt laut Sigma Digitaltacho mit penibel einprogrammierten Radumfang ∼127 Km/h auf gerader Strecke in leicht geduckter Haltung. Der Spritverbrauch lag dann aber auch zwischen sechs und sieben Litern. Die Motorleistung war für eine Drehschieber-Wespe mit 57 Millimeter Hub beeindruckend.

Polossi vs. Malossi auf 57mm Drehschieber im Sept. 2001

Mein Kollege rüstete in dieser Zeit seine Vespa auf. Im PX200E Lusso Motor wanderten eine Mazzuchelli Welle mit 57 mm Hub›, ein kurzer vierten Gang und ein SIP Performance Edelstahl Rennauspuff› in Verbindung mit einem 30er PHBH Dellorto. I-Tüpfelchen war ein Malossi 210 alt›. Bis auf den Zylinder war unser Motorsetup also identisch. Wir fuhren so gemeinsam zum Filthy &Sly Treffen nach Dreisbach im September 2001. Vom Gewicht her waren wir beide wackere 90 Kilo + Typen. Die Hinfahrt war kein wirklicher Leistungsvergleich. Denn wir gerieten ziemlich kurz nach dem Anfahren auf der Autobahn in ein Unwetter mit Wasser bis zu den Felgen. Wir konnten die Motoren nicht voll ausreizen.

Auf der Rückfahrt von Dreisbach war ein direkter Vergleich möglich. Im Anstieg und auf gerader Strecke hatte der Malossi absolut keine Chance. Da konnte ich weg fahren. Bei leichtem Gefälle konnte der Malossi mithalten und bei stärkerem Gefälle fuhr Kai mit seiner PX teilweise sogar ein wenig vor, kam aber nicht von mir weg. Der Polossi hat im Vergleich zum Malossi alt einfach mehr Nutzhub. Der Polossi hatte eine Auslasssteuerzeit von ungefähr 175° mit einem Nutzhub von ∼ 124 ccm. Die Auslasssteuerzeit beim Malossi lag bei 183° mit einem Nutzhub von 116 ccm. Der Polossi hat also ∼ 7% mehr Nutzhub als der Malossi, was unweigerlich zu mehr Drehmoment und somit zu einer verstärkten Beschleunigungskraft führt.

Borculo 2002

Den nächsten Freiflug hatte der Roller auf der Fahrt nach Borculo im Juli 2002. Auch hier wieder eine für Vespa Schaltroller beachtliche Autobahngeschwindigkeit von 110 bis 120 Kilometer pro Stunde. Hin und wieder Spitzen bis fast 130 Kilomter pro Stunde. Problematisch war das nur für den Rahmen. Erste Spannungsrisse im Mitteltunnel zeigten sich auf. Gegen Ende des Jahres mussten dann die Stellen geschweißt werden. Danach wurde der Roller erneut lackiert. Zu dem Zeitpunkt hatte ich ein wenig die Nase voll von Effektlackierungen und entschied mich wieder für ein schlichtes Blau.

2003 Daily Driver und Tourer

Vespa P200E *66647* vor der „Dampfe“ in Essen Borbeck im November 2003

Ab 2003 wurde die P200E zu meinem ‘Daily Driver’. Der Motor war vollgasfest und fuhr auf der Autobahn 120 km/h in der Ebene. Und Autobahn musste ich nun täglich fahren von Bochum über die A-40 nach Essen. 30 km hin und 30 km zurück. Bei Wind und Wetter. Es machte einen riesen Spaß und die Vespa ließ mich nicht im Stich. Zur Vespa-Szene hatte ich nur phasenweise Kontakt über Angelo. Ich hatte nebenher Kontakt zu Moped Leuten und da ich mit deren Motorrädern auf Überlandtouren mithalten konnte, fuhr ich nun hier öfters mal mit. Im Winter 2003 kurz vor Weihnachten erfolgte so eine Tour. Weitere Infos zu dieser Tour findest Du hier›.

Auch 2004 wurde die Vespa P200E wieder täglich eingesetzt. Entgegen der Behauptungen, der Polossi sei schnell verschlissen, fuhr dieser wie ein Uhrwerk und verlor nach den ersten 10.000 km nicht an Kompression.

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