66647Auch 2005 musste ich täglich zur Arbeit nach Essen. Dem Motor schien die Autobahn zu gefallen. Täglich sauste ich mit 120 km/h über die Bahn. Zu diesem Zeitpunkt war für mich klar, dass auch Vespa Motoren mit knapp 20 PS etwas für den täglichen Straßenverkehr sind. Auf der Autobahn konnte ich teilweise gepflegt auf dem Mittelstreifen fahren. Der Polossi hatte mittlerweile eine Laufleistung von weit über 40.000 km.

Frühling 2005: Ich war wieder unterwegs auf der Autobahn auf dem Mittelstreifen und zog mit knapp 120 km/h an einem LKW vorbei und schwenkte rechts raus, weil gleich die Abfahrt kam, als plötzlich der Motor ausging und das Hinterrad blockierte. Blitzschnell zog ich die Kupplung und die Vespa rollte auf dem Seitenstreifen aus. Der erste Gedanke war: „Kolbenfresser!“.

„Schhhhhei ….benkleister!“ Klar ist man bei so etwas genervt. Als ich den Roller heim schob (es war ja nicht weit), kühlten meine Emotionen schnell wieder ab. Der Motor hatte über 40.000 km gelaufen und wurde teilweise richtig durchgekesselt. Im Prinzip war ein Motorschaden bereits überfällig. Ist halt nur schade wegen dem Polossi›, dachte ich. Ich war so felsenfest von einem Kolbenfresser überzeugt, dass ich noch am selben Abend in einer Kurzschlussreaktion einen Malossi 210 alt› bestellte. Ein paar Tage später, der Malossi 210 war angekommen, fing ich damit an, den Motor zu öffnen. Irgendwie passte ja alles zusammen.

Ich hatte bereits vor einiger Zeit mit Angelo geschnackt und dieser hatte einen PX alt Rahmen daheim im Keller. Er selbst konnte mit dem Rahmen nicht viel anfangen. Das war nicht irgendein Rahmen, sondern ein wirklich toll lackierter Rahmen in einem klassischen Dunkelgrün metallic. Einziger Wehrmutstropfen: Der Handschuhfachdeckel war nicht lackiert. Ich traf mich mit Angelo in Böhnen und kurzerhand nahm ich für einen Freundschaftspreis den Rahmen mit. Das mit dem Handschuhfachdeckel war nicht so schlimm. Ich würde meinen Target Drop Bar ebenfalls umlackieren lassen müssen.

Zu Hause im Keller war der Motor nun geöffnet. Ein Kolbenfresser war aber nicht die Ursache für das Aus des Motors. Die Kurbelwelle hatte es erwischt. Lagerschaden Im Bereich Hubzapfen waren das Pleuel und die Kurbelwelle regelrecht ausgeglüht. Der Polossi war völlig unbeschädigt. Also hatte ich den Malossi völlig umsonst gekauft. Denkste! Als ich die völlig zerstörte Kurbelwelle auf der Werkbank beiseite stellen wollte, berührte ich den Polossi Zylinder und dieser fiel von der Werkbank auf den Kellerboden!

NEEEEEEEEEIIIIIN!

Nach mehreren Sekunden Blackout, im Geiste bin ich einmal durch die Hölle gebraust, schaute ich auf den Polossi. Der Zylinderfuss war eingerissen. Also hatte ich den Malossi doch nicht umsonst gekauft. Und eine neue Kurbelwelle kam noch dazu mitsamt Lagern etc. Bis August brutschelte ich im Keller herum. Das Heidetreffen 2005 war das erste Vespa Treffen in meinem Leben, dass ich mit Auto anfuhr. Doch dann erstrahlte eines Tages im Garten eine dunkelgrüne Wespe mit einem Malossi 210 Motor.

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Lack war ein Traum. Leider sah das Gesamtwerk noch ein wenig unvollendet aus. Die SIP Sportsitzbank› habe ich mit Felgensilber überlackiert. Langfristig wollte ich diese entlacken. Das Carbon würde sicherlich sehr gut mit dem Lack harmonieren. Der SIP Performance Rennauspuff› war zu diesem Zeitpunkt nicht montiert. Dieser sollte später folgen. Der Motor lief, aber er lief wie ein Sack Nüsse. Bei einer der ersten Fahrten dann das nächste Schreckensszenario. Der Motor lief immer noch wie ein entklöteter Hengst und als ich dann zu Hause den Zylinderkopf abnahm, verdrehten sich meine Augen: Das Kolbendach war eingefallen! Zum Glück hatte ich ja noch den Malossi Kolben vom Polossi. Der Malossi Zylinder selbst schaute ok aus. Im Bereich Überströme war im Nicasil ein leichter Reiber. Nichts wildes.

Aber warum ist das passiert? Mein Verdacht fiel auf die Zündgrundplatte. Und siehe da: Die Verkabelung war marode. Also neue Kabel anlöten, dann auch gleich den SIP Performance montieren und der Motor lief nun auch besser. Aber immer noch sehr schwach. Der Malossi 210 wurde wieder demontiert und ich entschied mich dazu, dem Malossi erst einmal mit einem Dremel auf die Pelle zu rücken. Gesagt getan der Malossi 210 wurde an den Fußfenstern geöffnet. der Auslass wurde verbreitert. Der Boost Port bekam ein drittes Fenster. Zylinder reinigen und dann wieder auf den Motor. Testfahrten mitten im Winter. Der Motor lief nun wieder ein wenig besser aber insgesamt war das Ergebnis noch nicht zufriedenstellend.

Mittlerweile hatten wir Januar 2006. Ich nahm nun die Quetschkante des Zylinderkopfes unter die Lupe›. Laut Begleitheft ist für einen Malossi 210 ein geometrisches Verdichtungsverhätnis von 10,5 zu 1 angegeben. Und ich hatte gerade mal 9,4 zu 1. Das ist zu wenig. Also Zylinderkopf plan schleifen. 10,5 zu 1 waren nun gegeben und der Motor lief merklich besser.

 

Der Roller beschleunigte nun in der Ebene langsam durch bis 100 km/h (Also 110 km/h laut Piaggio Tachometer). Dann krauchelte er mühseelig in Richtung 110 km/h. Was mir auffiel: Der Zylinder wurde warm aber nicht heiß. Bis Sommer 2006 wurde die Vespa noch gefahren. Dann verlor ich allmählich das Interesse. Verkaufen wollte ich die Vespa aber nicht. Irgendwie hingen zu viele Emotionen an diesem Gefährt.

 

Kategorien: W.I.P.

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