Einleitung zum Thema Abgasuntersuchung

In diesem Beitrag wollen wir uns mit der Frage befassen, ob eine Abgasuntersuchung auch für Vespa P200E  oder allgemein PX alt gilt.

Seit dem 1. April 2006 ist die Abgasuntersuchung für Krafträder (AUK) verordnet und gilt für Millionen zugelassene motorisierte Zweiräder in Deutschland. Mit den Empfehlungen des federführenden Verkehrsausschusses zur 41. Verordnung zur Änderung straßenverkehrsrechtlicher Vorschriften [1] hat der Bundesrat [Bundesrat Drucksache 925/05 (Beschluss)] in seiner 819. Sitzung am 10. Februar 2006 die Überprüfung der Umweltverträglichkeit von Krafträdern, und dazu gehört auch die Abgasuntersuchung, beschlossen.

Bundesrat, Gesetze,

Bundesrat in Berlin (Foto: Wespenblech Archiv)

Bundesregierung will Senkung der Emissionswerte

Von der Überprüfung der Abgaswerte verspricht sich die Bundesregierung eine weitere Senkung der Emissionswerte zur Verbesserung der Klimaschutzmaßnahmen. Ziel der nationalen und internationalen Klimapolitik ist die Stabilisierung der Konzentrationen an Treibhausgasen in der Atmosphäre. Dazu sind vor allem beim Kohlendioxid, aber auch bei den anderen Treibhausgasen drastische Reduktionen erforderlich. CO2 ist das wichtigste anthropogene, d.h. vom Menschen verursachte, Treibhausgas überhaupt.

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Vespa P200E VSX1T *66647* mit Resonanzauspuff (Foto: Wespenblech Archiv)

Herr Dr.-Ing. Kuschefski schreibt für das Institut für Zweiradsicherheit in Essen zum Thema Abgasuntersuchung:

„Seit dem 1. April 2006 werden alle kennzeichenpflichtigen Krafträder, die nach dem 1. Januar 1989 erstmals zugelassen wurden, im Rahmen der 2-jährigen Hauptuntersuchung (HU) einer Abgasuntersuchung (AUK) unterzogen. Darunter fallen alle Krafträder mit einem amtlichen Kennzeichen und dazu zählen auch alle Motorroller und Leichtkrafträder mit einem Hubraum von mehr als 50 ccm sowie einer bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit von mehr als 45 km/h. Von dem Prüfer wird keine separate Abnahme-Plakette so wie man sie bisher vom Pkw kennt – auf dem Nummernschild angebracht. Die Abgasuntersuchung ist nämlich fester Bestandteil der Hauptuntersuchung (Datum der Prüf-Plakette). Was ferner hinzukommt, ist die subjektive Geräuschbeurteilung des Prüfingenieurs. Kommt dieser zu einem negativen, sprich zu einem lauten Ergebnis, so ist eine objektive Standgeräusch-Messung nach Anlage VIIIa 4.8.1.2 Krafträder StVZO durchzuführen. Hierdurch will der Gesetzgeber die Geräuschemission von Krafträdern besser überwachen. Dazu wurde eine spezielle Richtlinie zur Standgeräuschmessung entwickelt, die sowohl bei den Prüforganen als auch bei der Polizei Anwendung findet. Verwendet werden dürfen nur Geräuschmesswerte, deren Differenzen bei drei aufeinander folgenden Messungen nicht größer als 2 dB (Dezibel) sind. Als Messergebnis gilt der höchste der drei Messwerte. Anschließend werden 5 dB als Korrekturwert (Toleranz der Messgeräte u. a.) vom Messergebnis abgezogen. Die Grenzwerte der Standgeräuschmessung sind in den älteren Fahrzeugscheinen unter Ziffer 33, in den neuen Zulassungsbescheinigungen im Feld U1 eingetragen.“

(Quelle)

Welche Vorschrift der STVZO gilt für welches Kraftrad?

Die Straßenverkehrs-Zulassungsordnung (StVZO) schreibt vor, welche technischen Merkmale Kraftfahrzeuge für eine Zulassung aufweisen müssen. Mit Übergangsvorschriften werden Ausnahmen geregelt, so dass eine Zulassung auch für ältere Krafträder möglich wird. Die Übergangsregelung ist durch die Erstzulassung gegeben.Das geht aus §72 STVZO hervor.

§72 Übergangsbestimmungen

(1) Für Fahrzeuge sowie für Systeme, Bauteile und selbstständige technische Einheiten für diese Fahrzeuge, die vor dem 5. Mai 2012 erstmals in den Verkehr gekommen sind, gelten die zum Zeitpunkt ihrer Zulassung geltenden Vorschriften einschließlich der für diese Fahrzeuge erlassenen Nachrüstvorschriften fort.

Wichtige Vorschriften innerhalb der Straßenverkehrs-Zulassungsordnung

Die wichtigsten Bestimmungen sind nachfolgend nach § sortiert aufgelistet. Die Vorschriften sind nach §72 an das Erstzulassungsdatum gebunden.

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§§ EZ Vorschrift
K 65/93 ab 01.10.1993 Erst- oder Nachrüstung von Stahlflex Bremsschlauch nur mit Schleuderprüfung gem. FMVSS 106 (unabhängig von EZ)
K 65/93 ab 01.10.1994 Erst- oder Nachrüstung von Stahlflex Bremsschlauch nur mit Schleuderprüfung gem. FMVSS 106 (unabhängig von EZ), für Lagerverkauf
§ 22a StVZO vor 01.01.1954 Keine BAG* Pflicht für Fahrzeugteile
§ 22a StVZO ab 01.01.1954 BAG Pflicht für Schluss- und Bremsleuchten, sowie für Rückstrahler
§ 22a StVZO ab 01.01.1954 BAG Pflicht für Scheinwerfer für Fern- und Abblendlicht
§ 22a StVZO ab 01.01.1954 BAG Pflicht für Kennzeichenbeleuchtung, Begrenzungs- und Parkleuchten
§ 22a StVZO ab 01.01.1954 BAG Pflicht für Beiwagen (rückwirkend wieder aufgehoben am 01.08.90)
§ 22a StVZO ab 01.01.1961 BAG Pflicht für Glühlampen für Scheinwerfer mit asymmetr. Abblendlicht
§ 22a StVZO ab 01.01.1961 BAG Pflicht für Nebelscheinwerfer
§ 22a StVZO ab 01.08.1990 BAG Pflicht für Beiwagen rückwirkend wieder aufgehoben
§ 30a StVZO ab 01.04.1986 Einhaltung des Antimanipulationskatalogs für Fahrräder mit Hilfsmotor, Klein- und Leichtkrafträder aus StVZO
§ 30b StVZO ab 01.10.1989 Ber. des Hubraums pi = 3,1416, Bohrung u. Hub in mm, runden auf eine Stelle nach dem Komma
§ 36a StVZO vor 01.01.1962 Keine genaue Definition über Radabdeckungen (keine heutigen Maßstäbe anlegen)
§ 38a StVZO vor 01.01.1962 Sicherung gegen unbefugte Benutzung durch loses Zubehör (in BW ohne Ausnahme möglich)
§ 41 StVZO ab 01.10.1998 Bremsanlage muss RL 93/14/EWG entsprechen
§ 47 StVZO ab 01.01.1989 Abgasverhalten gem. ECE R40-00 und ECE R47-00 erforderlich
§ 47 StVZO ab 01.07.1994 Abgasverhalten gem. ECE R-40-01
§ 47 StVZO ab 17.06.1999 Abgasverhalten muss RL 97/24/EG für neue Typen mit EG-BE entsprechen
§ 49 StVZO ab 13.09.1966 Geräuschverhalten und -messung gem. der „Nationalen Methode“, in dB(A)
§ 49 StVZO ab 01.05.1981 Geräuschverhalten und -messung gem. RL 78/1015/EWG, in dB(A) für ABE
§ 49 StVZO ab 01.10.1983 Geräuschverhalten und -messung gem. RL 78/1015/EWG, in dB(A) für EBE
§ 49 StVZO ab 01.10.1988 Geräuschverhalten gem. RL 78/1015/EWG i.d.F. 87/56/EWG Stufe 1, größer 175 ccm für ABE
§ 49 StVZO ab 01.10.1989 Geräuschverhalten gem. 78/1015/EWG i.d.F. 87/56/EWG Stufe 1, größer 80 kleiner / gleich 175 ccm) für ABE
§ 49 StVZO ab 01.10.1990 Geräuschverhalten gem. RL 78/1015/EWG i.d.F. 87/56/EWG Stufe 1 größer 80 kleiner / gleich 175 ccm für EBE
§ 49 StVZO ab 01.10.1990 Geräuschverhalten gem. 78/1015/EWG i.d.F. 87/56/EWG Stufe 1, größer 175 ccm für EBE
§ 49 StVZO ab 01.10.1993 Geräuschverhalten gem. 78/1015/EWG i.d.F. 87/56/EWG Stufe 2, größer 175 ccm für ABE
§ 49 StVZO ab 01.04.1994 EG-Kennzeichnung für Austauschschalldämpferanlagen erforderlich
§ 49 StVZO ab 31.12.1994 Geräuschverhalten gem. 78/1015/EWG i.d.F. 87/56/EWG Stufe 2, größer 80 kleiner / gleich 175 ccm für ABE
§ 49 StVZO ab 01.10.1995 Geräuschverhalten gem. RL 78/1015/EWG i.d.F. 87/56/EWG Stufe 2, größer 175 ccm für EBE
§ 49 StVZO ab 01.10.1996 Geräuschverhalten gem. 78/1015/EWG i.d.F. 87/56/EWG Stufe 2, grösser 80 kleiner / gleich 175 ccm für EBE
§ 49a StVZO ab 01.01.1988 Ausreichende elektrische Versorgung der Scheinwerfer und Signalleuchten erforderlich
§ 50 StVZO ab 01.08.1988 Hauptscheinwerfer Anbauhöhe untere Spiegelkante größer / gleich 500 mm, oberster Punkt leuchtende Fläche kleiner / gleich 1200 mm
§ 53 StVZO vor 01.01.1983 Bremslicht auch gelb zulässig
§ 53 StVZO vor 22.03.1985 Rückstrahler der Kategorie I zulässig
§ 53 StVZO ab 22.03.1985 Rückstrahler der Kategorie IA zulässig
§ 53 StVZO ab 01.01.1987 Fahrtrichtungsanzeiger nicht mehr an beweglichen Fahrzeugteilen zulässig, am Lenkerende weiterhin zulässig
§ 53 StVZO ab 01.01.1988 Bremslicht erforderlich
§ 54 StVZO ab 01.01.1962 Fahrtrichtungsanzeiger erforderlich
§ 54 StVZO vor 01.01.1970 Fahrtrichtungsanzeiger auch rot zulässig
§ 55a StVZO ab 01.01.1962 Funkschutzzeichen für Funkentstörung erforderlich
§ 56 StVZO ab 01.01.1990 zweiter Rückspiegel erforderlich, wenn BbH** größer 100 km/h
§ 57 StVZO ab 01.01.1991 Geschwindigkeitsmesser muss RL 75/443/EWG entsprechen
§ 59 StVZO vor 01.04.1952 Ort der Anbringung des Fabrikschildes beliebig
§ 60 StVZO vor 01.07.1958 Amtl.Kennz.gem.Anl.V, Form a (255X130mm) möglich

Tabelle: Quelle

Ist nun die Vespa P200E von der Abgasuntersuchung betroffen?

Solange die Erstzulassung der Vespa P200E vor dem 1. Januar 1989 war, ist die P200E von einer Abgasuntersuchung ausgeschlossen. Denn: Die Serienproduktion der Vespa P200E war zwischen 1977 und 1983 [2]. Dementsprechend ist es sehr unwahrscheinlich bis ausgeschlossen, dass eine P200E nach dem 1. Januar 1989 zum ersten mal zugelassen wurde.

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Einzelnachweise

  1. Buzer.de: Einundvierzigste Verordnung zur Änderung straßenverkehrsrechtlicher Vorschriften»  (Abgerufen am 2. August 2007 um 9:09)
  2. ↑ Wespenblech Archiv: Vespa P200E Typengeschichte (VSX1T)› (Abgerufen am 20.04.2018)

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