startseite, icon StartseiteWissenTuning › Vergaser Dellorto PHB & PHBH einstellen bei einer Vespa
icon, datum Veröffentlicht am 16 Aug 2014 @ 19:59, Letzte Revision: 06 Aug 2020

 Ralf Peters, 1977 Wörter, 9 Fotos. Beitrag-ID: 78.
Google Rank Top 101Jan – Juli 2019 (Vergaser Dellorto PHBH einstellen»), Sprachen: –

Einleitung

Bild 1: Montage eines Vergaser PHBH 30 BS auf dem Motorblock einer Vespa P200E. (Foto: Wespenblech Archiv)
Bild 1b: Vergaser Dellorto PHBH 30 mit Ram Air Luftfilter und CMD Snake Head.

Dieser Beitrag befasst sich detailliert mit der Einstellung der Treibstoffgemisch-Zufuhr speziell bei den italienischen Dellorto PHBH Trommelvergasern bzw. Rundschiebervergasern. Mittlerweile produziert YSN die PHBH Vergaser in gleicher Qualität. Der Dellorto PHBH BS 30› und der YSN PHBH BS 28› sind solche Vergaser.

Achte bei der Einstellung der Bedüsung, dass der Motor auf Betriebstemperatur ist. Die Düsen müssen alle sauber sein in den Bohrungen. Die Düsen und Vergaserbauteile wirken oftmals komplex und verwirrend. Dieser Beitrag soll Licht ins Dunkel bringen. Es gibt keine universale Vergaserbedüsung für einen Motor. Wir schreiben Dir nicht vor, wenn Du diese oder jene Düsennummer nimmst, läuft der Motor tadellos. Dafür sind zu viele Einflußgrößen relevant:

  • Temperatur
  • Luftdruck
  • Sauerstoffanteil
  • Toleranzschwankungen bei Bauteilen innerhalb und außerhalb des Vergasers.
  • Füllungsgrad des Tanks.
  • Luftfilter

Wer mit der Einstellung des Dellorto PHBH Vergasers Probleme oder Fragen hat, dem empfehlen wir folgendes Thema in unserem Wespenblech Forum:


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Grundsätzliche Aufgaben des Dellorto & YSN PHB Vergasers

Die Aufgabe des Vergasers ist es, aus Luft und Benzin ein zündfähiges Benzin Luftgemisch herzustellen. Wenn der Kolben sich in Richtung oberen Totpunkt (OT) bewegt, saugt der Unterdruck im Kurbelgehäuse Luft an, die durch den Vergaser durchströmt. Im Saugrohr (Bild 2, Bezeichnung 7) des PHB Vergasers streicht die Luft am Zerstäuber (Bild 2, Bezeichnung 4) vorbei und reißt kleinste Benzintröpfchen mit sich. So entsteht ein fein zerstäubtes Benzin-Luftgemisch, welches nach einem Weg durch das Kurbelgehäuse und die Überströme schlussendlich von der Zündkerze im Zylinderkopf entflammt wird.


Vergaser Dellorto PHBH einstellen – Die Praxis

Wie bereits in einem anderen Abschnitt erwähnt, ist es wichtig, den Motor vor der Vergasereinstellung auf Betriebstemperatur zu bringen. Je nach Wetter reicht hier die Straße kurz hoch fahren nicht aus. Mit einer kurzen Fahrt von ∼15-20 Minuten seid Ihr aber auf der sicheren Seite. Wichtig: Der Choke darf nicht nachhaltig beim Einstellen des Vergasers aktiviert sein. Es gibt kurze Phasen beim Einstellen des Vergasers, wo man den Choke für bestimmte Zwecke einsetzen kann. Dazu später mehr. Auch sehr wichtig: Der Motor als auch der Vergaser müssen in einem einwandfreien Zustand sein. Die Zündung muss auf den Motor abgestimmt sein, mindestens sollte die vom Hersteller für das Setup vorgegebene Einstellung eingehalten werden. Der Motor darf keine Nebenluft ziehen oder Getriebeöl saugen. Nur so kann man am Besten den Dellorto PHBH abstimmen.

Standgas bis 1/8 Gas

Vergaser, Dellorto PHB, PHBH, Standgasschraube
Bild 13: Vergaser Dellorto PHB PHBH: Der Schraubendreher befindet sich gerade in der Standgasschraube. Links daneben die kleine Gemischschraube. (Foto: Wespenblech Archiv)

Auf dem Foto (Siehe Bild 13) sind am Vergasergehäuse des ‘Dellorto PHBH 30 BS’ 2 Schrauben zu erkennen. Die große Schraube in Richtung Luftfilter, in welcher gerade der Schlitzschraubendreher steckt, ist die Standgasschraube. Hin und wieder wird diese auch als Schieberstellschraube bezeichnet. Die kleine Schraube in Richtung Ansaugstutzen ist die Gemischschraube, auch bekannt als Standgemischschraube oder Gemischeinstellschraube.

Standgasschraube am Dellorto PHB

Bild 13b

Die große Standgasschraube wirkt beim Dellorto PHB Vergaser direkt auf die Position des Schiebers. Daraus resultiert, dass beim Reindrehen der Standgasschraube der Schieber nach oben gedrückt wird und zum Luftansaugkanal hin öffnet. Beim Herausdrehen der Standgasschraube schließt der Schieber den Kanal.

Daraus resultiert:

Standgasschraube (im Uhrzeigersinn) rein drehen ⇒ Motor dreht immer höher (Gemisch wird magerer)

Standgasschraube (gegen Uhrzeigersinn) raus drehen ⇒ Drehzahl nimmt ab (Gemisch wird fetter)

Achtung!: Zum Reindrehen der Standgasschraube immer vorher etwas(!) Gas geben und dann halten, so dass der Schieber nicht auf der Schraubenspitze aufsitzt. Das ist bei manchen Vergasern sinnvoll, damit sich kein Grat am Schieber selbst beim Hineindrehen der Standgasschraube bildet. Das Rausdrehen ist dagegen unkritisch.

Zunächst sollte das Standgas bei betriebsamem Motor so eingestellt werden, dass der Motor nicht aus geht. Wir drehen also die Standgasschraube soweit gegen den Uhrzeigersinn raus, dass der Motor droht, abzusterben. Die Drehzahl wird immer weniger. Dann geben wir etwas Gas und schrauben die Standgasschraube schrittweise im Uhrzeigersinn so weit rein, bis der Motor die Drehzahl hält.

Kennen wir die Grundeinstellung der Gemischschraube noch nicht, so wird es anfangs ein wenig problematisch mit der Standgassuche. Wirkt die Gemischeinstellschraube in ihrer Drehposition zu mager, droht der Motor aus zu gehen, wirkt die Gemischeinstellschraube in ihrer Drehposition zu fett, droht ebenfalls ein Absterbendes Motors. Bei zu magerer Drehposition der Gemischeinstellschraube kann man gut gegen wirken, indem man den schnell Choke zuschaltet.

Gemischschraube am Vergaser Dellorto PHB

Funktion der Gemischschraube

Bild 14: Wirkung der Gemischschraube.

Die Gemischschraube (G) bewirkt, dass der Motor im Standgas fetter wird oder magerer. Warum das Ganze? Schauen wir uns Bild 14 an (links). Vom Luftansaugkanal (B) bis zum Saugrohr führt ein Kanal im Vergasergehäuse. Von diesem Kanal führt ein zweiter Kanal in die Schwimmerkammer zur Leerlaufdüse (L) unterhalb des Benzinstandes. Im Motortrieb wird durch den Unterdruck im Kurbelwellenraum Luft durch den Kanal gesogen. Dieser Sog zieht neben der Luft aus dem Luftansaugkanal Sprit aus dem Nebendüsenkanal über die Leerlaufdüse. Dreht man die Gemischschraube in den Kanal hinein (Siehe Bild 14: Die Gemischschraube (G) wird im Uhrzeigersinn in das Gehäuse hinein gedreht), wird der Sog geringer im Kanal. Dreht man die Gemischschraube heraus (gegen den Uhrzeigersinn), wird der Sog größer und dadurch läuft der Motor fetter. Öffnet man nun den Gashahn, nimmt der Effekt bis ∼ 1/3 Gas vollends ab, da der Unterdruck im Kanal abfällt. Wir fassen zusammen:

Gemischschraube (im Uhrzeigersinn) rein drehen ⇒ Gemisch wird magerer im Standgas.

Gemischschraube (Gegen Uhrzeigersinn) raus drehen ⇒ Gemisch wird fetter im Standgas.

Position der Gemischschraube als Kennwert

Dreht man die Gemischschraube im Uhrzeigersinn in das Gehäuse hinein, schlägt sie irgendwann gegen das Gehäuse und Du kannst die Gemischschraube nicht weiter hinein schrauben. Die Gemischschraube befindet sich nun am sogenannten Anschlag. Dreht man die Gemischschraube nun gegen den Uhrzeigersinn heraus, so zählt man die Umdrehungen der Schraube von eben diesem Anschlag. 2 Umdrehungen der Gemischschraube vom Anschlag sind in Grad umgerechnet 720 Grad (2 x 360 Grad).

Grundeinstellung der Gemischschraube

Die Grundeinstellung der Gemischschraube definieren wir als Anzahl der Umdrehungen der Gemischschraube vom Anschlag, bei welcher der Motor genau so viel Treibstoff bekommt, dass dieser selbständig im Standgas läuft und nicht mehr abstirbt. Die Grundeinstellung ist noch nicht die endgültige Einstellung der Gemischschraube.

Grundeinstellung der Gemischschraube – So wird es gemacht

Eingabelungsverfahren Teil 1

Die Gemischschraube wird im Uhrzeigersinn bis Anschlag in das Vergasergehäuse hinein gedreht. Dann wird die Gemischschraube insgesamt 1,5 Umdrehungen vom Anschlag heraus gedreht.2Die 1,5 Umdrehungen werden in einigen Publikationen als so genannte ‘Werkseinstellung’ bezeichnet. Möglicherweise hat man bei Dellorto in der Vergangenheit einen Text mit diesem Wert veröffentlicht. Durch den Schlitz auf der Gemischschraube lässt sich das mit den drei halben Umdrehungen sehr gut erkennen. Die 1,5 Umdrehungen sind ein ungefährer Richtwert für den Anfang und noch nicht die endgültige Einstellung. Droht der Motor in dieser Position der Gemischschraube aus zu gehen – die Drehzahl wird weniger –  und mit Einschalten des „großen Bruders“ Choke  dreht der Motor schneller und kräftiger, ist die Einstellung der Gemischschraube zu mager. Die Gemischschraube muss gegen den Uhrzeigersinn schrittweise fetter heraus gedreht werden, bis der Motor ohne Choke das Standgas halten kann. Läuft der Motor nur schwach und mit Einschalten des Chokes säuft der Motor vollends ab, ist die Position der Gemischschraube wahrscheinlich schon zu fett. Die Gemischschraube muss im Uhrzeigersinn magerer gedreht werden, so dass der Motor das Standgas halten kann. Dann ist in beiden Fällen die Grundeinstellung erreicht.

Wespenblech Tipp: Die so genannte ‘Werkseinstellung’ oder der ‘Auslieferungszustand’ von 1,5 Umdrehungen vom Anschlag bei der Gemischeinstellschraube funktioniert nicht bei jedem Motorsetup einer Vespa. Sie ist nur ein frei gewählter Anfangswert. Es erspart Dir etwas Arbeit, wenn Du Dir die Grundeinstellung der Gemischschraube für Dein Setup merkst. Beispiel: Vespa Drehschieber Motoren mit 210er Malossi, Polini 210, 57er Rennwelle, Dellorto PHBH 30 und Resonanzauspuff benötigen in der Regel als Grundeinstellung ungefähr 2,5 Umdrehungen gegen den Uhrzeigersinn bei der Verwendung einer Nebendüse im Bereich 50-55 mm und bei einem Schieber mit 40er Ausschnitt.

Feineinstellung der Gemischschraube

Eingabelungsverfahren Teil 2:

Die Gemischschraube befindet sich in der Grundeinstellung. Die Gemischschraube wird nun im Uhrzeigersinn (magerer) mit Gefühl langsam in das Vergasergehäuse hinein gedreht. Mit zunehmendem Hereindrehen der Gemischschraube läuft der Motor immer langsamer und nimmt kein mehr Gas an. Er droht sogar, abzusterben. Diese Position merken (Umdrehungen der Gemischschraube vom Anschlag auf Zettel schreiben). Nun mit Gefühl die Gemischschraube gegen den Uhrzeigersinn herausdrehen (Gemischzufuhr wird fetter). Zunächst läuft der Motor zunehmend wieder etwas schneller und kräftiger. Irgendwann läuft der Motor jedoch wieder langsamer und droht abzusterben (Umdrehungen der Gemischschraube vom Anschlag auf Zettel schreiben). Zwischen den beiden notierten Positionen liegt die ideale Position der Einstellschraube. Den Punkt mit der höchsten Leerlaufdrehzahl & rundförmigem Leerlauf zwischen den beiden notierten Positionen einstellen.

Testfahrt

Am Ende des Einstellungsvorganges kann bei einer anschließenden Testfahrt das Ansprechverhalten des Motors im Nebendüsenbereich testen. Nimmt der Motor kaum Gas an und rotzt und viertaktet, so ist die Einstellung im Nebendüsenbereich zu fett. Es hilft, die Gemischschraube etwas magerer zu drehen.

Nimmt der Motor kaum Gas an und würgt eher ab, als wenn man vergessen hat den Benzinhahn auf zu drehen, ist die Einstellung im Nebendüsenbereich zu mager. Es hilft, die Gemischschaube etwas fetter zu drehen.

Hinweis: Wenn durch das Verstellen der Gemisch- und Standgasschraube keine Lösung gefunden werden kann, ist das gewünschte Ergebnis mit einer anderen Leerlaufdüse bzw. einem anderen Cutaway am Gasschieber zu erreichen.

Wespenblech Richtlinie: Vespa Drehschieber Motoren mit 210er Malossi, Polini 210, 57er Rennwelle, Dellorto PHBH 30 und Resonanzauspuff benötigen in der Regel bei der Feineinstellung eine ungefähre Gemischschrauben-Einstellung von 3 – 3,5 Umdrehungen vom Anschlag bei der Verwendung einer Nebendüse im Bereich 50-55 mm und bei einem Schieber mit 40er Ausschnitt. Die Standgasschraube wird in der Regel ca. 2,5 – 3 Umdrehungen gegen den Uhrzeigersinn heraus gedreht.

Die Einstellungen können je nach Luftfilter, Zubehör und Tankfüllung variieren. Die Daten gelten als ungefährer Richtwert für einen eingestellten PHBH Vergaser bei eben diesem Setup.


Volllast (Hauptdüse)

Bild 15: Die Hauptdüse eines Dellorto PHBH Vergasers (Hier: HD 132) befindet sich direkt unterhalb des Mischrohres. Wenn sich beim Aufdrehen des Gasgriffes die Nadel im Mischrohr verjüngt und die Durchströmfläche größer wird, so tritt die Wirkung der Hauptdüsenbohrung ein.

Volllast ist der Lastbereich, in dem der Gasschieber komplett geöffnet ist. Fängt der Motor bei Volllast an zu klingeln, wird überdurchschnittlich heiß bzw. die Zündkerze ist hellgrau bis weiß, dann ist das gefahrene Gemisch zu mager, bedeutet also, dass die Hauptdüse zu klein ist.

Ist die Zünderkerze hingegen feucht und schwarz bzw. der Motor dreht nicht frei hoch, stottert und ähnliches, sollte eine kleinere Hauptdüse verwendet werden.

Achtung: Es wirkt nicht nur die Größe der Hauptdüse auf das Zündkerzenbild, sondern auch andere Faktoren wie Zündeinstellung und eventuelle Falschluft. Die Zündung sollte vor der Vergasereinstellung vernünftig eingestellt sein und eventuelle Falschluftquellen beseitigt.

Das Zündkerzenbild sollte bei optimalen Vergaser-Setup Rehbraun und trocken sein, Das Gewinde der Kerze, leicht ölig. (Wie oben bei den Hinweisen erwähnt, ist das Kerzenbild nur bedingt für die Erkennung des Gemischzustandes zu gebrauchen. Das Kolbenbild würde schon mehr Aufschluss bringen.)

1/4 bis 3/4 Gas (Nadel & Mischrohr):

Wenn der Motor beim Gasaufreißen zwischen Schieberöffnung 50% und 75% stottert oder das Gas schlecht annimmt, ist das Gemisch in diesem Bereich in den meisten Fällen zu fett.

Hierbei muss auf die Art des Stotterns geachtet werden. Bei zu fettem Gemisch verschluckt sich der Motor. Bei zu magerem Gemisch kann ein ähnlicher Effekt auftreten, jedoch ist hier durch das plötzliche abmagern zu wenig Benzin im Gemisch um die Verbrennung ordnungsgemäß durchzuführen. 

Fängt das Gemisch bei der Verbrennung sogar an zu detonieren, sollte die Nadel in jedem Fall höher gehängt werden. Die besagten Detonationen zeichnen sich beim beschleunigen durch eine Art klingeln aus.

Im Fall zu fett sollte man die Nadel Stufe für Stufe tiefer hängen. Man steckt den Clip in die nächst höherer Nut (Kerbe).

Im Fall zu mager sollte man die Nadel Stufe für Stufe höher hängen. Man steckt den Clip in die nächst tiefere Nut (Kerbe).

Stottern beim Gasaufreissen

Wenn man durch das Ändern der Nadelstellung kein vernünftiges Setup hin bekommt, hilft eventuell ein anderes Mischrohr oder eine anders geformte Nadel

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18 Kommentare

basti · 1. November 2017 um 10:27

Hallo,

erstmal muss ich sagen, super Beitrag sehr ausführlich! Danke

Vielleicht könnt ihr mir da weiterhelfen. Bei meinem Roller ist das Setup ist eigentlich ganz gut (PHBH28), nur bei Bergauffahrten und bei Höhenmeter über 1000m Fängt der Motor bei Volllast an zu stottern und läuft nicht mehr sauber und hat Probleme bei Vollgasfahrt. Läuft einfach einen tick zu fett.
Ich habe die X2 Nadel schon auf die magerste Stellung gesetzt, es läuft aber trotzdem noch zu fett.
Mir ist nicht klar, welche Nadel jetzt die nächste magere Nadel ist. Was kommt nach X2?

Gruß und Danke
Basti

0
    Ralf

    Ralf · 1. November 2017 um 22:19

    Hallo Basti
    Die Nadel beim PHBH Vergaser ist grundsätzlich darauf ausgelegt, bei welcher Schieberstellung die Durchströmfläche für das Gemisch im Mischrohr vergrößert oder verkleindert wird. Schau Dir mal Bild 6 an. Wenn der Schieber unten ist (Gashahn nicht aufgedreht), so befindet sich der Bereich A der Nadel in der Bohrung des Mischrohrs. Hier ist die Durchströmfläche für das Gemisch sehr klein. Öffnet man den Gashahn, also dreht man den Gasgriff auf, so wird der Schieber nach oben gezogen und ab ca. 3/4 Öffnung wird der Bereich C der Nadel in der Bohrung des Mischrohres die Durchströmfläche für das Gemisch beeinflußen, also vergrößern (Siehe auch Bild 4b). Das erst einmal zum Grundverständnis.

    Wenn das Gemisch bei Vollgas magerer werden muss, so hilft nur der Wechsel der Hauptdüse.

    Wenn nun also im Bereich 3/4 Gas bis Vollgas dein Motor einen Tick zu fett läuft, so würde ich an Deiner Stelle mit der Hauptdüsengröße arbeiten. Wenn Du jetzt beispielsweise eine 135er Hauptdüse im PHBH 28 drin hast, so würde ich mit der Düsen Nummer runter gehen auf 130. Somit müsste der Motor dann bei Vollgas nicht mehr so fett laufen. Einen Sprung von 5 Düsennummern runter merkt man schon. Manchmal reicht aber auch ein 3er Schritt, also runter von 135 auf 132.

    Mit einer kleineren Hauptdüse kommst Du auch in größeren Höhenlagen gut zurecht. Oftmals ist hier der Sauerstoffanteil ein wenig geringer als in niedrigeren Regionen. Da wird das Gemisch automatisch ein wenig fetter. Das ist mir auch schon passiert. Große Höhenunterschiede und große Temperaturunterschiede wirken sich auf die Verbrennung im Motor aus.

    Wenn Du nun merkst, dass Du nun durch die kleinere Hauptdüse mit Bereich 1/2 Gas ein wenig zu mager unterwegs bist, so kannst du die Nadel wieder einen Clip tiefer hängen, das reicht meist aus. Dass die X2 Nadel bei PHBH Vergasern in einer Vespa meistens recht hoch hängt, ist normal. Ich habe bisher noch keinen Vespa Fahrer mit einer Largeframe Vespa gesprochen, der die Nadel nicht ganz oben in der Nut hatte oder in der 2. Nut von oben.

    Gruß
    Ralf

    1+
    Winni

    Winni · 1. November 2017 um 23:20

    Nabend Basti,
    Schau Dir auch mal Bild 15 an. Da sieht man sehr schön, wie die Hauptdüse direkt unter dem Mischrohr sitzt.

    Grüße
    Winfried

    0

Jos Hagemann · 25. Februar 2019 um 17:27

Hey, fahre den Vergaser auf einem aprilia motor, sollte vom prinzip das gleiche sein.
Erste frage ist ob die Nadel verschleißen kann?
Zweite ist, darf sie wackeln?
Mein eigentliches Problem ist das sie bei 3/4 der drehzahl stottert für einen bereich von ca.300 umdrehung,bei überweinden dieser 300 umdrehung ist alles top.
Stottern bleib gleich,egal ob schieber 1/2 geöffnet ist oder voll geöffnet.
HD schon Verschiedenes probiert.
Wäre dankbar um einen Rat.
Mfg Jos

0
    R. T. Peters

    R. T. Peters · 25. Februar 2019 um 17:59

    Hallo Jos.

    Grundsätzlich kann so eine Nadel nicht verschleißen. Ich habe meine Nadel in dem PHBH jetzt 20 Jahre. Schaut aus wie neu. Murphys Law gibt es überall. Am besten die ausgebaute Nadel überprüfen ob die krumm ist oder starke Reibspuren hat. Dann muss eine neue Nadel her. Was bei einem Zweitakter Motor sehr häufig passiert ist, dass die Nadel als auch das Mischrohr verharzen. Im Laufe der Zeit (Beipsielsweise nach der Winterstandzeit) bildet sich ein harziger Schmodder an den Bauteilen. Da muss auf jeden Fall gereinigt werden. Wenn die Teile gereinigt sind und der Motor immer noch bei 3/4 stottert, dann die Nadel mal eine Kerbe höher einrasten, damit die Nadel tiefer hängt im Mischrohr. Klingt als liefe der Motor in dem Bereich etwas zu fett. Vorher aber reinigen. Schmutzige Bauteile verzerren meist die Vergasereinstellung. HD schei ok zu sein, wenn bei Vollschub das Stottern weg ist.

    Grüße

    Ralf

    0
    Rufa

    Rufa · 26. Februar 2019 um 14:22

    Moin Jos. Ob die Nadel wackeln darf oder nicht, das habe ich noch nie getestet. Du hast ja in einer der Kerben von der Nadel diesen Clip. Die Nadel wird in den Schieber durch ein Bohrloch geschoben, bis der Clip in einer eingefrästen Senke im Schieber steckt. Dann kommt dieses Schieberplättchen drauf und die Schieberfeder. Durch den Druck der Schieberfeder kann die Nadel vertikal (hoch runter) nicht wackeln. Horizontales Spiel ist durchaus möglich ein Wackeln habe ich aber noch nicht festgestellt. Muss mal wer am Wochenende prüfen.

    1+
      R. T. Peters

      R. T. Peters · 26. Februar 2019 um 14:39

      Hallo Rufa.

      Wen ich Zeit habe am Wochenende, dann werde ich an meinen Vergaser und einige Fotos machen. Dann kann ich auch die Wackelfrage genauer beantworten.

      Gruß,

      Ralf

      0

Thomas · 10. Januar 2020 um 23:58

Hallo, ihr schreibt einmal bei den Wespenblech Tips 2,5 Umdrehungen raus und bei den Wespenblech Richtlinien 3-3,5. Warum seine die Werte unterschiedlich?

Gruß

Thomas

2+
    M. A. Bernert

    M. A. Bernert · 11. Januar 2020 um 0:28

    Hallo Thomas.

    Ich lese das auch so. Vielleicht verschiedene Setups? Ich frage Morgen mal nach.

    LG

    Maxi

    1+
    Winfried

    Winfried · 11. Januar 2020 um 1:43

    Moin

    Der Ralf hat das vielleicht ein wenig ungenau erklärt. Es gibt für die Gemischeinstellschraube eine Grundeinstellung von 1,5 Umdrehungen raus vom Anschlag der Schraube. Diese Umdrehungszahl wird in vielen Publikationen als sogenannte Werkseinstellung genannt. Vielleicht gab es irgendwo von Dellorto mal ein Heft, wo das so drin stand. Unsere Erfahrungen mit 200er PX Motoren und im oberen Text veröffentlichtem Setup benötigen hingegen eine Grundstellung der Gemischeinstellschraube von mindestens 2,5 Umdrehungen vom Anschlag der Schraube. Bei 1,5 Umdrehungen ist das Gemisch viel zu mager und der Motor stirbt bereits Sekunden nach dem Rausnehmen des Chokes ab. Die 3 – 3,5 Umdrehungen raus vom Anschlag sind dann der schlussendlich eingestellte Wert bei der Gemischeinstellschraube. Diese Einstellung gilt jedoch >>NICHT<< für alle Motoren. Jeder Motor ist irgendwo ein wenig anders.

    2+
      Ralf

      Ralf · 11. Januar 2020 um 20:12

      Ich habe die „Grundeinstellung für die Gemischschraube“ mal im Beitrag definiert. Die Grundeinstellung der Gemischschraube ist nicht die Werkseinstellung oder der Auslieferungszustand oder wie auch immer. Ich habe die Grundeinstellung der Gemischschraube wie folgt definiert:“ Die Grundeinstellung der Gemischschraube definieren wir als Anzahl der Umdrehungen der Gemischschraube vom Anschlag, bei welcher der Motor genau so viel Treibstoff bekommt, dass dieser selbständig im Standgas läuft und nicht mehr abstirbt. Die Grundeinstellung ist noch nicht die endgültige Einstellung der Gemischschraube.“ Die von Thomas zitierten 2,5 Umdrehungen vom Anschlag sind eine Grundeinstellung für die von mir aufgeführten Setups. Das ist die häufigste Grundeinstellung, da die meisten Vespa-Piloten traditionell von den 1,5 Umdrehungen ausgehen und dann bis 2,5 Umdrehungen bei diesem Setup schrauben. Du kannst aber auch theoretisch die Vergasereinstellung anders anfangen, indem Du die Gemischschraube weit raus drehst, beispielsweise 4,5 Umdrehungen vom Anschlag. Der Motor würde hier theoretisch auch in kürze absterben, da das Gemisch nun zu fett ist. Bei ungefähr 4 Umdrehungen vom Anschlag wäre die Einstellung zwar immer noch zu fett, aber der Motor stirbt nicht mehr ab. Das wäre dann die zweite Grundeinstellung für die Gemischschraube. Es gibt eine „Grundeinstellung fett“ und eine „Grundeinstellung mager“. Die ideale Einstellung, der schlussendlich eingestellte Wert, liegt zwischen diesen beiden Grundeinstellungen. Durch das sogenannte Eingabelungsverfahren werden die beiden Grundeinstellungen „mager“ und „fett“ ermittelt und dann im Bereich des Mittelwertes die ideale Einstellung eingestellt. Der von Thomas zitierte Wert von 3,5 Umdrehungen vom Anschlag ist bei den im Beitrag aufgeführten Setups ungefähr der ideale Einstellungswert. Bei meiner Vespa P200E liegt der ideale Einstellwert der Gemischschraube bei 3,25 Umdrehungen vom Anschlag bei fast leerem Tank.

      2+
        Ralf

        Ralf · 11. Januar 2020 um 20:22

        Ein häufiger Fehler bei der Vergasereinstellung in diesem Bereich ist, dass man 1,5 Umdrehungen raus dreht, das Gemisch ist zu mager, man dreht die Gemischschraube noch ein wenig raus, beispielsweise bis 2,5 Umdrehungen und dann läuft der Motor im Standgas und man denkt, das war es nun. Faktisch läuft der Motor zwar, aber er läuft noch zu mager.

        3+
        Winfried

        Winfried · 11. Januar 2020 um 22:20

        Der Abschnitt ist deutlich besser geworden. Das mit der Definition war eine gute Sache.

        0

Fabio · 13. April 2020 um 10:33

Hallo,
ich habe eine RS 125 (11KW) und eine 110er HD.
Sie stand sehr lange und ich hab den Vergaser gereinigt, sowie HD und ND erneuert. (Gleiche Größen wie vorher).
Bei Vollgas zuckt sie eine halbe Sekunde (hat keine Kraft) und zieht dann mit Vollpower bis in den hohen Drehzahlbereich. Sie zuckt direkt beim Hahnaufreisen.
Meint ihr, dass sie in dem Zeitpunkt eher zu wenig oder zu viel Sprit bekommt?
Danke schonmal 😉

0
    Rufa

    Rufa · 13. April 2020 um 14:37

    Hallo Fabio
    Was genau hast Du alles am Vergaser gereinigt? Neue Düsen müssen nicht die gleiche Bohrung haben. Es gibt Fertigungsschwankungen, die manchmal enorm sein können. Besser wäre es, wenn Du die alten Düsen nimmst und reinigst. Ich ziehe dazu aus einem alten Gaszug einen dünnen Draht und schiebe diesen immer wieder durch die Düsenbohrung, bis diese rückstandslos sauber ist. Düse gegen das Licht halten und durch gucken. Bekommt der Zylinder zu wenig oder zu viel Sprit? Unter „Zucken“ kann ich mir viel vorstellen. Möglicherweise meinst Du das, was ich unter „keiner Gasannahme“ verstehe. Dann ist entweder die Nebendüse zu klein oder die Gemischeinstellschraube zu wenig raus gedreht. Wenn der Motor „rotzt“ und „protzt“, dann ist die ND in Deinem Fall zu fett oder die Gemischeinstellschraube ist zu weit raus gedreht. Deine Hauptdüse scheint soweit ok zu sein, denn bei Vollgas fährt sie nach Deiner Angabe einwandfrei. Da würde ich erst mal probieren. Also die Gemischeinstellschraube erst mal 1-2 Umdrehungen raus (ND-Bereich fetter) und Motorverhalten checken. Auch mal in die andere Richtung probieren und Gemischeinstellschraube rein drehen (ich vermute, dass das von Dir beschriebene Verhalten dann noch schlimmer wird). Grüße …. Rufa

    0

Fabio · 13. April 2020 um 16:30

Danke für die schnelle Antwort
Ich habe alle Düsen (HD plus Mischrohr, ND, Choke-düse, Schwimmernadelventil) und den Vergaser an sich gereinigt. Daraufhin ist dauerhaft Sprit aus dem Vergaserüberlauf gelaufen. Also hab ich ein Schwimmernadelventil (größe 200, vorher war 250 drin) bestellt. Düsen kosten nicht viel, deshalb hab ich die auch noch dazu gekauft (also HD und ND). Sprit läuft nun nicht mehr aus dem Vergaser.
Und ja, die Gasannahme ist unter grob 3000U/min ziemlich schlecht. Man muss halt vorsichtig gasgeben. Wenn man im Leerlauf vollgas gibt, geht sie direkt aus.
Ob da jetzt zu viel oder zu wenig Sprit die Ursache ist, kann ich wirklich nicht sagen.
Aber vlcht sollte ich auch einfach mal eine lange Probefahrt machen. Bis jetzt bin ich nur mal 10min gefahren… (TÜV ist schon seit 2 Jahren abgelaufen und da gibts ja schon Punkte in Flensburg)
Und dann versuch ich mich nochmal an der Gemischschraube. Im Leerlauf und bei wenig Gas läuft sie eig auch einwandfrei. Wäre eig ein Ausschluss der ND oder?

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Winfried

Winfried · 22. April 2020 um 14:44

Hallo Fabio. Wenn vorher ein 250er Ventil drin war und jetzt nur noch ein 200er, dann kann es sein, dass die Probleme durch das kleinere Ventil kommen. Vielleicht gelangt zu wenig Sprit in die Schwimmerkammer. Die Nebendüse scheint nicht das Problem zu sein. Ich denke, das Hauptproblem ist, dass die Gemischeinstellschraube verstellt ist. Die Schraube einfach mal in beide Richtungen bewegen. Einmal in richtung fett und einmal in richtung mager. Klingt mir danach als sei sie zu mager.

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Marcel · 30. Juni 2020 um 22:01

Hallo zusammen,
vorab klasse Beitrag ! Super geschrieben und wirklich Hilfreich ! Ich fahre momentan einen 139 Malossi mit Polini Zündung und Polini Evo Reso ! Motor 80er unbearbeitet ! Jetzt ist seit einer Woche ein 28er Polini Vergaser drauf – als Start habe ich eine 125 HD – JJH Nadel Clip 3 – 38 ND ! Ich habe mir hierzu das Polini Nadelset gekauft – hier ist eine Beschreibung dabei was die Abmessungen der Nadeln betrifft.Mir wurde die JJH genannt,quasi als Tip ! Wie bekomme ich von der JJH Nadel die Abmessungen raus um vielleicht mal eine andere Nadel zu testen….
Vielen Dank für die Hilfe
Marcel

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