Erstveröffentlichung am 12. Februar 2011, 18:56

So sollte man die Vespa nicht überwintern lassen.

Es kommt schon ziemlich selten vor, dass eine Vespa in unseren Regionen das ganze Jahr über im Einsatz ist. Frühstens nach dem Abrollern, spätestens zum Winter kommt oftmals die kalte Zwangspause. Die Temperaturen gehen unter Null Grad. Die örtlichen Verkehrsämter schicken meist nach dem ersten Schnee ihre Salzstreuer durch die Straßen. Und Salzwasser in den Sicken fürchtet eine Vespa im Winter nunmal wie der der Teufel das Weihwasser. Je nach Länge der Einstellzeit macht es Sinn das Fahrzeug darauf vorzubereiten um sowohl die Wiederinbetriebnahme nach dem Winter zu erleichtern als auch mögliche Schäden zu vermeiden.

Diese folgende Überprüfungsliste soll als Anhaltspunkt dabei helfen.

Die Punkte sind nicht dazu gedacht, dass sie komplett abgearbeitet werden müssten. Die Liste ist folgendermaßen aufgebaut: Die wichtigsten Punkte für kurze Pausen von ein paar Monaten stehen oben; je länger das Vehikel aber stillgelegt werden soll desto weiter sollte man die Liste nach unten abarbeiten:

Aupuff einer Vespa PX

Auspuff: Am besten vor Einbruch des Winters (keine gesalzenen Straßen) noch einmal eine längere Tour bei trockenem Wetter fahren. Dadurch verdampft das Kondenswasser im Auspuff und eine Oxidation im Resonanzraum wird vermindert. Bei Edelstahlanlagen ist das nicht so wichtig, da diese nicht rosten. Wer seinem Auspuff etwas Gutes tun will, der schraubt den Auspuff zum Überwintern ab und lagert diesen an einem trockenen Ort. Der Auslass zum Zylinder sollte dann aber bei Graugusszylindern versiegelt werden.

Vergaser Dellorto PHBH 30 mit Ram Air Luftfilter in einer Vespa P200E

Vergaser: Im Zuge des Alterungsprozesses von Kraftstoffen scheiden sich einige darin enthaltene Additive wieder ab und es besteht die Gefahr, daß sich diese in den feinen Kanälen und Bohrungen des Vergasers niederschlagen und diese verstopfen. Bei erneutem Kontakt mit Kraftstoff lösen sich die Additive jedoch nicht wieder. Deshalb vor längerer Standzeit: Motor bei geschlossenem Benzinhahn laufen lassen bis er ausgeht und Vergaser weitgehend leer ist. Anschließend Vergaser ausbauen und einmal gründlich reinigen (Vermeidung von Ablagerungen und Verharzung). Zum Reinigen eignet sich sehr gut ein Eimer mit Nitroverdünner. Vergaser zerlegen und 3-4 Tage im Nitroverdünner liegen lassen. Dann mit einem Borstenpinsel reinigen. Düsen können mit Reibalen gereinigt werden. Ein Ultraschallreinigungsbad eignet sich ebenfalls ist meistens jedoch nicht zwingend notwendig.

Batterie in einer Vespa PX alt.

Batterie abklemmen bzw ausbauen (gegen Selbstendladung / Auslaufen).

Weitere Informationen zum überwintern der Batterie in einem anderen Beitrag.

Tank vollständig mit Sprit auffüllen (Rost im Inneren wird weitgehend vermieden)

Ein Stück Plastikfolie unter den Tankdeckel klemmen – verhindert Feuchtigkeit im Tank durch Entlüftungsloch

Eine weitere Variante wäre den Tank zu entleeren, mit frischem Benzin auswaschen , trocknen lassen und dann mit einem geeinetem Öl innen konservieren.

  • Reifendruck etwas erhöhen (vermeidet „Ecken“ bei langer Standzeit). Wenn möglich Roller aufbocken, so dass beide Reifen entlastet sind.
  • Bowdenzüge und alle anderen Schmierstellen gut ölen / schmieren (Kein Öl bei Teflonhüllen. Für Teflonhüllen gibt es spezielle Pflegemittel)
  • Gegenfalls Ölwechsel
  • Kolben auf O.T. stellen (Viertakter) bzw
  • Etwas Öl in Zylinder füllen, Motor drehen und Kolben nicht auf einen Totpunkt stellen (Zweitakter)
  • Chromteile mit Vaseline schützen
Vor dem Winter den Lack der Vespa mit Hartwachs konservieren.
  • Lack mit Hartwachs konservieren
  • Gummiteile mit Glycerin (Apotheke) einreiben. Erhält Elastizität
  • Das Einreiben des Sitzbezuges mit Lederfett ist natürlich nur bei bei Lederbezug sinnvoll, ansonsten sollte eher eine entsprechende Kunststoffpflege eingesetzt werden. Ist eine extreme Kälte zu erwarten, kann auch ein Kunststoffsitzbezug beschichtet werden um einem Kältebruch vorzubeugen. Hierzu sollte dann eine dicke Schicht wasserfreier Fettcreme verwendet werden. Idealer wäre allerdings das Ausbauen der Sitzbank und Überwintern in einem geschützen Bereich.
  • Vor einer längeren Standzeiten können stark rostanfällige Bremsscheiben vor dem Abstellen entweder mit einem Ölfilm versehen werden oder mit Wachsspray eingesprüht werden. Wichtig: Die Bremsbeläge müssen jedoch unbedingt vorher ausgebaut werden und dürfen weder mit dem Wachs noch mit dem Ölfilm in Kontakt kommen. Vor der Wiederinbetriebnahme ist sicherzustellen, daß die Bremsscheiben penibel entwachst bzw. entfettet werden! Achtung: Bei gelochten Bremsscheiben ist besonders sorgfältig darauf zu achten, daß an den Innenwänden der Lochung keine Rückstände verbleiben.
  • Für den Außenbereich sollte eine Abdeckung gewählt werden die außen wasserabweisend ist, innen jedoch eine „saugende“ Beschichtung aus Stoff aufweist. Ziel ist es einerseits, Kratzer zu vermeiden, die durch den im Vergleich zum Lack harten Kunststoff (oftmals PVC) entstehen können. Andererseits soll aber auch Kondenswasser- und Dampfbildung verhindert bzw. vom Fahrzeug ferngehalten werden. Zur Not kann zwischen Plane und Fahrzeug ein Bettlaken oder eine Decke gelegt werden.

Es ist übrigens ein Irrglaube daß es gut für ein stillgelegtes Fahrzeug ist wenn man den Motor von Zeit zu Zeit anläßt! Im Gegenteil: Der Motor kommt nicht auf Betriebstemperatur und hat dadurch erhöhten Verschleiß. Im Auspuff bildet sich durch die Hitze aber Kondenswasser welches Rost begünstigt.

Beim „Ausmotten“ sollte man folgendes beachten:

Sofortmaßnahmen

Unbedingt:

  • Ölstand und -zustand prüfen
  • Reifendruck prüfen
  • ab rund einem Jahr Standzeit: Benzin aus dem Tank ablassen und durch frisches ersetzen

Scheitert der Startversuch, dann

  • Batterie aufladen/austauschen/auffüllen, oder einfach überbrücken vom PKW
  • Zündkerzen austauschen

Bei Vergasermotoren:

  • Vergaser reinigen (falls nicht schon am Saisonende gemacht), falls sie nicht entleert waren. Siehe auch: Ultraschallreinigung.

Gründliches Entmotten nach dem Winter

  • ab 3 Monate
    • Batterie laden
    • Ölstand kontrollieren
    • Reifendruck prüfen
    • evtl. Flugrost entfernen (ganz einfach mit Putzlappen o.ä.)
  • ab 1 Jahr
    • Batterie prüfen und mit Ausfall rechnen
    • Reifenwechsel, falls die Reifen nicht entlastet waren oder zu alt sind (höchstens 4 Jahre. Bei richtiger Lagerung sind Reifen auch noch nach 5 Jahren neuwertig)
    • Tankinnenseite auf Rost kontrollieren
    • Ölwechsel
    • Vergaser reinigen, falls nicht entleert bei der Stilllegung
    • kleine (besser große) Inspektion laut Handbuch (Lenkkopf- und Radlager prüfen usw)
    • Benzin ablassen, entsorgen und frisches einfüllen
  • ab 4 Jahre
    • Batterie erneuern
    • Reifenwechsel, die alten sind spätestens jetzt potenziell ausgehärtet
    • große Inspektion laut Handbuch (alle Flüssigkeiten wechseln)
    • Stoßdämpfer prüfen

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